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«Wie autonom sind Patienten wirklich?» - Referat am Montag, 23.9. SG & 30.9. Wil
In den letzten Jahren wurde die Patientenautonomie und damit das Recht auf mehr Selbstbestimmung von psychisch kranken Menschen politisch gestärkt. Es ist schon lange unstrittig, dass ein einwilligungsfähiger Patient entscheidet, welche Therapie er in Anspruch nimmt. Die Autonomie zu stärken, sie bei Notwendigkeit so kurz wie möglich einzuschränken und Zwangsmassnahmen so wenig wie möglich einzusetzen, ist ebenfalls schon lange Konsens in den Psychiatrien. Doch dabei kommt es immer wieder zu herausfordernden Situationen.
Patientenautonomie – zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Aufgrund einiger psychischer Störungen kann die Autonomie nämlich zeitlich begrenzt vermindert sein oder ganz aufgehoben werden. Das ist bei dementiellen Erkrankungen der Fall, bei schizophrenen Störungen und manischen Episoden, nicht zuletzt bei Abhängigkeitserkrankungen. Auch kann die Autonomie dann eingeschränkt werden, wenn die Psychiatrie im Zusammenhang mit Straftaten ihrer Schutzfunktion gegenüber der Gesellschaft nachkommen muss. Das führt aber nicht automatisch zur Zustimmung von Patientenseite, sondern es gibt immer wieder unterschiedliche Einschätzungen der jeweiligen Situation. Spannungsfelder tun sich auf.
Potenzial und Grenzen
André Böhning, katholischer Seelsorger der Psychiatrie St.Gallen Nord, Supervisor und Moderator für ethische Fallbesprechungen, beschreibt in seinem Referat anhand von konkreten Beispielen das heutige Verständnis von Autonomie in der Psychiatrie im Vergleich zum verbreiteten Verständnis in der Gesellschaft. Er geht auf Dilemmas ein, die in der Praxis immer wieder zu bewältigen sind, um dem Selbstbestimmungsrecht, den medizinischen und gesellschaftlichen Ansprüchen Rechnung tragen zu können. Im Anschluss an das Referat besteht die Möglichkeit für Fragen und einen aktiven Austausch mit dem Referenten.
Zweimalige Durchführung
Die Veranstaltung dauert von 19.30 – 21.00 Uhr. Sie ist öffentlich, die Teilnahme unentgeltlich. Am 23. September 2019 findet sie in St.Gallen statt (Bahnhofgebäude, Bahnhofplatz 2, 1. Stock, Zimmer 122) und eine Woche später, am 30. September 2019, in Wil (im Hörsaal Haus C03 der Psychiatrie St.Gallen Nord). Es ist keine Anmeldung nötig.